Klassische Photographie - Wolfgang Cirtek

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Was bedeutet für mich "klassische Photographie" in einer Zeit, in der auf der ganzen Welt jährlich mind. 1,2 Billionen Fotos geschossen werden, 3/4 davon mit dem allgegenwärtigen Smartphone [DIE ZEIT, Okt.2021]? "Analoge Fotografie" wird immer wieder geschrieben, aus einer Zeit, als die Kameras noch Zeiger für den Belichtungsabgleich und die Laboruhr einen Handaufzug hatten.

Ich sehe in der Digitalisierung der Bildaufzeichnung die größte Umwälzung seit der Erfindung der Fotografie. Neben der inzwischen erreichten Qualität ist es die digitale Bearbeitbarkeit - die andererseits Möglichkeiten der Bildmanipulation bis zur Unkenntlichkeit des Originales ermöglicht. Die Glaubwürdigkeit der Fotografie als Dokumentation ist fast vollständig verloren gegangen. Rober Bösch, Extrembergsteiger und Fotograf schreibt, daß "wegen der grenzenlosen Möglichkeiten der Bildbearbeitung die reale Natur zunehmend nicht mehr mit der fotografischen Bilderwelt mithalten kann".

Meinen Zugang zu diesem immer noch faszinierenden Medium sehe ich in der starken Beschränkung der Bildbearbeitung, der Anwendung einfacher Verbesserungsmethoden, in etwa wie sie in der physikalischen-chemischen Methode auch möglich waren. Außerdem bin ich immer noch klassisch unterwegs, zumeist in Schwarz-Weiß, mit Kameras vom Leicaformat bis zum Großbild 4 x 5". Ich entwickle die SW-Filme selber und Vergrößere mit einem Beseler 45 MXT, jenem faszinierenden schweren Gerät, welches auch Anselm Adams für seine Naturaufnahmen gedient hatte.

Ein Foto entsteht im Moment des Auslösens einer Kamera. Jede digitale Veränderung eines Bildelementes macht aus dem Foto ein Bild, so wie ein Aquarell oder eine Federzeichnung ein Bild ist. Ein Papierbild hat für mich, auch wenn die Aufnahmebasis digital war, als "greifbares Resultat" immer noch einen ganz anderen Erlebniswert als der Bildschirm oder das Smartphone.